Geschichte der Kommende Siersdorf

Ansicht der Siersdorfer Kommende aus denm Codex Welser, 1723
Die Niederlassung des Deutschen Ritterordens in Siersdorf ist die älteste innerhalb der ehemaligen Ballei Alden Biesen. Durch Schenkung von Graf Wilhelm III. von Jülich anlässlich der Belagerung der Stadt Damiette im Nildelta gelegen wurde dem Orden die Kirche zu Siersdorf mit allem Zubehör übertragen. Von der Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1219 haben sich zwei Ausfertigungen erhalten. Ein Exemplar befindet sich im NRW-Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf und ein zweites im Deutsch-Ordens-Zentralarchiv in Wien. Mit dem "Zubehör" könnte ein fränkischer Lehnshof gemeint gewesen sein, der den Grafen von Jülich unterstand.
Schenkungsurkunde von 1219
Die mehrfach geäußerte Ansicht, dass sofort mit dem Bau der ersten Kommende begonnen wurde, trifft aber nicht zu. Die Ordensleute ließen sich zuerst auf dem mitübertragenen Hof nieder und verwalteten von dort aus den durch Schenkungen immer größer werdenden Besitz. 1256 erhielten sie Ländereien in Schleiden, 1264 wurde ihnen das Gut Ungershausen übertragen, 1270 erwarben sie Ländereien im Settericher Feld. Die Besitzungen waren Anlass für das Betreiben bzw. Neugründen von mehreren Ordenshöfen (Kleiner und Großer Hof in Siersdorf, Röttgenhof und Commandeurshof in Schleiden, Ordenshof in Welz, Hof in Dürboslar).
Die Schenkung von Ungershausen war der Startschuss für den Bau der ersten Kommende in Siersdorf. Dafür wurden am 4. April des Jahres 1264 mit Graf Wilhelm IV. von Jülich drei alte Morgen, gelegen hinter dem Hof des Ordens, gegen drei Morgen, gelegen im Wildstock, getauscht. Das erste Kommendengebäude hat direkt hinter dem heute zerstörten Torbereich der jetzigen Kommende und hinter der Zehntscheune des "Kleinen Hofes" gestanden.
Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1267 unter dem ersten Siersdorfer Commandeur (Komtur) Volcwinus (reg. 1267-1268).
In der so genannten "Geldrischen Fehde" 1542/43 – hier ging es zwischen Kaiser Karl V. und Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg um die Herrschaft über das Herzogtum Geldern – wurden die Kommende von Siersdorf und der vorgelagerte Hof zerstört. Erst 1578 wurde unter Heinrich von Reuschenberg das Herrenhaus der Kommende im Stil der Renaissance neu errichtet. (© Hans Kunnes)

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